Beschreibung
Lange wurde die Sichtbarkeit von Übersetzer vor allem dort verhandelt, wo Literaturkritik stattfand: im Feuilleton, bei Literaturpreisen und auf den Kulturseiten großer Medien. Heute entstehen neue literarische Öffentlichkeiten. Auf BookTok, Bookstagram, in Podcasts und Newslettern sprechen Leser, Autor und Übersetzer direkt miteinander – oft außerhalb der klassischen Institutionen des Literaturbetriebs.
Die Veranstaltung fragt radikal zugespitzt: Brauchen wir diese alten Instrumente der Sichtbarmachung überhaupt noch – oder beschreiben sie nur noch einen Teil der Realität? Hat sich die Unsichtbarkeit der Übersetzer:innen lediglich in neue Formen verlagert? Und was bedeutet es für den Beruf, wenn Aufmerksamkeit heute zunehmend in anderen, stärker personalisierten Öffentlichkeiten entsteht? Welche Chancen eröffnen digitale Räume für die Vermittlung von Übersetzung – und welche neuen Anforderungen bringen sie mit sich? Das Gespräch fragt, wie sich die Wahrnehmung literarischer Übersetzung im Zeitalter sozialer Medien verändert und ob die alten Kategorien von Sichtbarkeit und Anerkennung noch ausreichen, um die Gegenwart zu beschreiben.
Teilnehmende:
Lea Schneider, geboren 1989, ist Essayistin, Lyrikerin, Übersetzerin aus dem Chinesischen, Literaturkritikerin und -wissenschaftlerin. Sie hat in Berlin, Shanghai und Taipei Komparatistik, Soziologie, Linguistik, Sinologie und Kulturwissenschaften studiert und an der FU Berlin über Radikale Verletzbarkeit als feministische Schreibstrategie promoviert. Sie ist Teil des Lyrikkollektivs G13 und schreibt u.a. für die »Süddeutsche Zeitung«. Zuletzt erschien 2026 der Essayband „Von Tieren und anderen Menschen“ (S. Fischer). Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, war u.a. Finalistin des Open Mike, erhielt den Dresdner Lyrikpreis, den Horst Bingel-Preis und den Berliner Kunstpreis für Literatur. Lea Schneider lebt in Berlin und lehrt als Dozentin für Kreatives Schreiben und Komparatistik an der FU Berlin, dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der Universität für Angewandte Kunst Wien.
Jacqueline Mikol (M.A.), geboren 2000, studierte Germanistik sowie Literaturvermittlung in den Medien an der Philipps-Universität Marburg mit besonderem Fokus auf feministische und queere Themengebiete. Sie ist Autorin von "#BookTok-Rezensionen: Beobachtungen zum Wandel der Literaturkritik" (Büchner Verlag).
Leyli Sahin ist Journalistin und Moderatorin. Sie hostet das öffentlich-rechtliche Literaturformat "Literally" auf TikTok und Instagram. Am liebsten spricht sie über Bücher, (Pop-)Kultur und gesellschaftspolitische Themen, mit besonderem Fokus auf marginalisierte Perspektiven.
Moderation: Julia Rosche, Gründungsmitglied von TraLaLit – Magazin für übersetzte Literatur.


