Prof. Manfred Spitzer: "Lesen, eine aussterbende Kunst"
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Abstract: "Optimisten glaubten einst, dass die allgemeine Alphabetisierung unvermeidlich sei. Nun scheint es, als könnte das Zeitalter des Lesens nur eine kurze Anomalie in der Menschheitsgeschichte sein." Dies schreibt die Autorin Rose Horowitch im August-Heft (2026) der internationalen Monatszeitschrift The Atlantic in einem Essay mit dem Titel “The end of reading is here”. Im Jahr 2022 lasen weniger als 50% der erwachsenen Amerikaner “irgendein Buch”, nur 38% hatten eine Kurzgeschichte oder einen Roman gelesen. Der Anteil der Amerikaner, die aus Vergnügen lesen, sank von 28% im Jahr 2004 auf 16% im Jahr 2023. New York Times Bestseller sind heute um ⅓ kürzer als von 100 Jahren. Die oben erwähnte Autorin schrieb schon im Jahr 2024: “Das Lesen von Büchern, selbst zum Vergnügen, kann nicht mit TikTok, Instagram und YouTube mithalten. Im Jahr 1976 gaben etwa 40 Prozent der Abiturienten an, im vergangenen Jahr mindestens sechs Bücher zum Vergnügen gelesen zu haben, während 11,5 Prozent kein einziges Buch gelesen hatten. Bis zum Jahr 2022 hatten sich diese Prozentsätze umgekehrt” (Horowitch 2024). Wird das so weitergehen? Was können wir tun? Wenn Kultur die Software ist, die auf der Hardware-Gehirn läuft und sie dadurch verändert, dann reichen wohlmeinende Worte nicht aus. Nur wenn wir damit aufhören, mehr als 10 Stunden der wachen Zeit unserer nächsten Generation den Profitinteressen der ohnehin reichsten Firmen der Welt zu opfern, kann sich etwas ändern. Auf dem Spiel steht nicht nur die Fähigkeit junger Menschen, zu lesen, sondern deren Gesundheit und Bildung und damit die Grundlagen unserer freien demokratischen Gesellschaft. Wie rasch dieser vonstatten gehen kann, zeigt ein kurzer Blick über den großen Teich.


