Am Wannenrand. Szenische Lesungen tschechischer Gegenwartsdramatik
4
Wochen5
Tage05
Stunden49
MinutenBeschreibung
Kritisch, queer und aktuell – drei szenische Lesungen tschechischer Gegenwartsdramen von Hana D. Lehečková, Tomáš Dianiška und Tomáš Ráliš sowie Gespräche mit den Autor*innen geben einen Einblick in das tschechische Theater. Alle drei Stücke erscheinen mit weiteren neuen tschechischen Theatertexten in der Anthologie Am Wannenrand, hrsg. von Barbora Schnelle, zur Buchmesse; die Veranstaltung findet im Rahmen des Festivals Ein Stück: Tschechien: Frankfurt-Spezial 2026 statt.
Programm:
Tomáš Ráliš: Ausgewohnt (orig. Vyhubyt, aus dem Tschechischen von Maira Neubert)
Die bissige Groteske nimmt die Gentrifizierung des aktuellen Wohnungsmarkts aufs Korn und schildert die Probleme der jungen Generation, eine Wohnung zu finden, in der sie eine Familie gründen kann. Ein junges Paar sieht sich zu immer absurderen Schritten gezwungen, um eine Wohnung zu erringen, während der joviale und skrupellose Makler noch die schimmeligste Bruchbude als Luxus präsentiert wird. Die Wohnung wird jedoch dringend benötigt, denn in der leicht surrealen Handlung des Stücks sind inzwischen mehrere Kinder auf einmal geboren worden. Der Leistungsdruck am Arbeitsplatz und die Notwendigkeit des beruflichen Aufstiegs nehmen zu, und so beschließt auch das junge Paar, sich auf einen gewagten Tauschhandel einzulassen. Das Stück erhielt den Ewald-Schorm-Preis 2023.
Hana D. Lehečková: Trollmama (orig. Trollí matka, aus dem Tschechischen von Barbora Schnelle)
Eine ausgebrannte, alleinerziehende Mutter kämpft jeden Abend mit ihrer unzufriedenen und hungrigen Tochter, angebrannten Pfannkuchen und vor allem mit der virtuellen Realität, in der sie sich auf Online-Foren in eine Trollgöttin verwandelt. Mit Dutzenden, meist männlichen falschen Identitäten kontrolliert sie soziale Netzwerke, ruiniert den Ruf von Produkten und manipuliert die öffentliche Meinung – bis das große Angebot kommt, dass sie plötzlich in die reale Welt katapultiert. Die dystopische Satire der jungen angesehenen Prosaautorin über das Phänomen des Internettrollens entstand für das Theater Divadlo Letí in Prag, eine wichtige Schmiede des neuen Theaters in Tschechien.
Tomáš Dianiška: Spottschau (orig. Transky, body, vteřiny, aus dem Tschechischen von Barbora Schnelle)
Das Stück ist von der Lebensgeschichte der erfolgreichen Leichtathletin Zdena Koubková (1913–1986) inspiriert, die bei der Geburt fälschlicherweise zu einem Mädchen erklärt wurde. Koubková wurde in der damaligen Sportwelt als „Wonderwoman“ gefeiert und erzielte mehrere Weltrekorde. Im Jahr 1936 identifizierte ein Arzt sie als intersexuell, sie unterzog sich einer Geschlechtsumwandlung und wurde Zdeněk Koubek. Dianiškas tragikomisches Stück beschreibt neben dem Schicksal der Hauptfigur auch die Welt der 1930er Jahre mit ihrem zunehmenden Faschismus, durchdrungen von Homophobie, Transphobie und Geschlechterstereotypen. Die Inszenierung des Stücks am Petr-Bezruč-Theater in Ostrava gewann den Preis der Theaterkritik 2019 in den Kategorien Inszenierung des Jahres und Tschechisches Gegenwartsstück.
Im Anschluss an die szenischen Lesungen gibt es ein Gespräch mit den Autor*innen und der Übersetzerin und Herausgeberin Barbora Schnelle.
Regie: Eberhard Köhler
Bühnen/Ausstattung: Danila Korogodsky
Dramaturgie: Barbora Schnelle, Henning Bochert
Es spielen: Naomi Abukha, Henning Bochert, Thea Rasche, Alexander Weinstein
Eine Veranstaltung von Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V., im Rahmen des Jahres der tschechischen Kultur in den deutschsprachigen Ländern, das anlässlich des Ehrengastauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026 organisiert wird, in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Zentrum Berlin, der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin, dem Internationalen Theater Frankfurt und dem Neofelis Verlag.
Gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, von der Mährischen Landesbibliothek Brno und Dilia z. s.
Künstlerische Leitung/Produktion: Barbora Schnelle und Henning Bochert


