Auf den Schieferschindeln aus dem mittelalterlichen jüdischen Viertel übten Kölner Kinder vor fast siebenhundert Jahren das hebräische Alphabet; eine der Tafeln trägt die Zeilen eines Ritterepos. Von solchen Funden geht dieser Abend aus und folgt ihnen durch die Zeitschichten der Stadt – von der Erstnennung der Synagoge im 11. Jahrhundert über das Pestpogrom von 1349 bis in die Gegenwart.
Die Lyrikerin Agnieszka Lessmann und der Autor Frank Olbert legen im zur Buchmesse in Frankfurt zwei Bücher vor, die jeweils eigenständig sind und doch zusammengehören: den Gedichtband „Schieferbruchverse“ und den historischen Essay „Das verschwundene Viertel“.
Der Gedichtzyklus „Schieferbruchverse“ erzählt von zwei parallelen Erkundungen: der archäologischen Ausgrabung des mittelalterlichen Viertels in Köln und der Suche der Autorin nach der Bedeutung ihrer jüdischen Herkunft.
Anhand der Geschichte des Kölner und des gesamten aschkenasischen Judentums beschäftigt sich der Essay „Das verschwundene Viertel“ mit den Grundlagen des europäischen Antijudaismus. Jedes Kapitel des Essays wird von einem Gedicht aus dem Lyrikband eingeleitet.
Bibliographische Angaben
Frank Olbert Das verschwundene Viertel, Essay, Gans Verlag, Berlin, 224 Seiten, 19 Euro, ISBN 978-3-946392-82-8
Agnieszka Lessmann Schieferbruchverse, Gedichte, Gans Verlag, Berlin, 164 Seiten, 19 Euro, ISBN 978-3-946392-81-1